Sonntag, 23. April 2017

Stromausfall in den USA wegen Sonnensturm?



Wenn ein mächtiger Sonnensturm wie 1859 die Erde treffen würde, wäre es vorbei mit der ganzen elektronischen Herrlichkeit. Der Strom wäre weg und das Internet tot. Die Bankkarten wären wertloses Plastik - nur Bares wäre Wahres. Auch der Aether wäre danach wie ausgestorben. 

In den letzten Tagen war die Sonne wieder "wütend" und hat ihre Fackeln gegen die Erde geschleudert. Die Funkamateure haben dies weltweit zu spüren bekommen. Freuen tun sich nur die Anhänger der langen Wellen: im Nachgang zu Sonnenstürmen sind die Bedingungen auf unserem 2200m-Band oft besonders gut.

In den letzten Tagen gab es in den USA großflächige Stromausfälle. Nun wird in einem Bericht darüber spekuliert, ob diese etwas mit den Sonnenstürmen zu tun haben.

Wie dem auch sei: Für Notfunker und andere Prepper empfielt es sich, ein Funkgerät EMP sicher in Bereitschaft zu halten - und auch die entsprechenden Batterien dazu. Doch die meisten werden im Falle eines Falles wohl andere Sorgen haben, als im leeren Aether nach entfernten Leidensgenossen Ausschau zu halten.

Bild: Am Nordkap spiegelt sich die Mitternachtssonne im Meer


Mittwoch, 19. April 2017

Back to the roots

Unsere Mittelwelle bei 630m ist ein ausgesprochenes Nachtband. Tagsüber verschluckt die Ionosphäre die Wellen und es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als dem Boden entlang zu kriechen. Über Land geht das nicht besonders gut und nach zirka 100km ist im hiesigen Terrain Schluss. Weiter geht's natürlich übers Meer. Darum konnten die Schiffe auch bei Tageslicht über viele 100km telegrafieren. Doch diese Zeiten sind längst vorüber. Wir Funkamateure sind die letzten Überlebenden im unteren Mittelwellenbereich. Scheinbar ein Anachronismus in der digitalen Moderne. Ein Tummelplatz für hoffnungslose Nostalgiker?

Keineswegs! Denn in unserem Mittelwellenband sind vor allem digitale Signale zu hören. Natürlich wird auch noch telegrafiert wie zu Marconis Zeiten. Aber in den meisten Funkbuden lauschen nun Computer in die Aethernacht.

Zwar ist mein neues Variometer noch nicht installiert, aber mein altes kann sich auch sehen lassen. Hier das Resultat der vergangenen Nacht in der Betriebsart WSPR:

  
Von Finnland bis zur Hochburg der deutschen Rentner in Spanien - Benidorm, von Norwegen bis zur griechischen Insel Zakynthos lief es kreuz und quer durch Europa. 
Doch über den großen Teich nach Amerika haben es meine Signale auch diesmal nicht geschafft und ich habe auch keine Stationen von drüber empfangen können. Nur G8HUH ist es gelungen WG2XPJ aus Vermont aufzunehmen.
Die Bedingungen waren gut - im Gegensatz zu den Kurzwellenbändern und die Gewittertätigkeit war gering. Dafür liegt heute Morgen etwas Schnee auf den Dächern. Wie immer macht der April was er will ;-)

Montag, 17. April 2017

Ein neues Variometer für Mittelwelle

Wenn Piloten von einem Variometer sprechen, meinen sie damit ein Instrument, das die Sink- oder Steiggeschwindigkeit eines Flugzeugs anzeigt.

Für Funker ist ein Variometer jedoch eine variable Spule, die zur Antennenanpassung verwendet wird. Im Gegensatz zur Rollspule kommt das Variometer ohne Schleifkontakte aus.
Das Prinzip: Eine kleine Spule dreht in einer großen. Ist ihr Wicklungssinn gleich, vergrößert sich die Gesamtinduktivität. Sind die Wicklungen entgegengesetzt, verringert sich die Induktivität des Variometers.

Damit kann man wunderbar Antennen verlängern und abstimmen, die für die verwendete Wellenlänge zu kurz sind. Aber das Variometer kann noch mehr: wird zur Einspeisung durch ein Koaxialkabel nur ein Teil der Windungen angezapft, wirkt es zugleich als Autotransformator und passt die Impedanz der Antenne an die des Koaxialkabels an.

Das Variometer ist also ein vollständiger Antennentuner, der ohne Kondensator auskommt.
Das ist im Mittel- und Langwellenbereich ein wichtiger Punkt, denn die Drehkondensatoren für einen herkömmlichen Tuner würden zu groß. Nicht nur wegen den großen, benötigten Kapazitätswerten, sondern auch wegen der hohen Spannungen, die beim Anpassen viel zu kurzer Antennen entstehen.

Hier ein Variometer des ehemaligen Mittelwellensenders Sottens (765 kHz):


Hier habe ich beschrieben, wie die Anpassung einer sehr kurzen Drahtantenne für Mittelwelle mit einem Variometer gemacht wird.
Und hier ist der Bau eines kleinen Variometers für kurze Strahler im 160m Band beschrieben. Der Vorteil: nebst einem einfachen Aufbau kann das Vario die Antenne über das ganze Band abstimmen.

Bei mir wird es Zeit, mein superprovisorisches Variometer für Mittelwelle zu ersetzen. Meine Antenne hat sich inzwischen zwar nicht verändert und besitzt nach wie vor eine Kapazität von ca. 366pF, aber das Wetter hat meinem Vario doch arg zugesetzt.
Außerdem bin ich am vorletzten Flohmarkt in Zofingen auf einen hübschen Spulenkörper gestoßen. Und wie ihr sicher wisst, ist manchmal ein bestimmtes Bauteil Anlass genug, um ein neues Projekt zu starten ;-)

Der dicke Draht langweilte sich schon eine ganze Weile und auch das Planetengetriebe mit 1:6 Untersetzung.

Hat man die Bauteile einmal beisammen und kennt man ungefähr die benötigte Induktivität, ist der Rest Pipifax: Denn Claudio IN3OTD hat auf seiner Webseite ein tolles Programm zur Berechnung von Variometern.
Das hat auch bei mir geklappt, und so sieht nun mein neues Vario aus:

 
Die Außenspule ist mit Cu-Trafodraht von 3mm Durchmesser bewickelt. Die Innenspule mit Litze von der gleichen Stärke. Man möchte ja die Verluste so klein möglich halten, sind doch die Erdverluste bereits groß genug. Der große Spulenkörper besteht aus Pertinax, der kleine aus Polypropylen. Jetzt braucht das Teil nur noch einen passenden Wetterschutz. Am besten ein altes Schnapsfass ;-)







Samstag, 15. April 2017

Eine kleine NVIS-Antenne für 1.8-7.2 MHz

Viele OM können sich schon glücklich schätzen, 20m Draht aufhängen zu können. Aber nicht nur die Länge, auch die Höhe ist vielfach ein Problem. Mehr als 8m liegen vielfach nicht drin, wenn einem der Frieden mit den Nachbarn lieb ist. So behilft man sich eben mit 20m Draht, die man vom Dachfirst runter zum Gartenzaun spannt. Das ist zwar eine Viertelwelle für das 80m Band, doch das Resultat lässt oft zu wünschen übrig. Gar nicht zu reden vom 160m Band.
Der OM experimentiert dann vielleicht noch mit Kurzdipolen und verkürzten Endfeed-Antennen, vielleicht sogar mit einer T2FD. Schließlich kauft er beim Händler seines Vertrauens eine teure Spezialantenne die alles verspricht und doch nicht besser ist, oder er wird HF-religiös und tritt der Kirche der Wunderantennen bei. 
Doch am Ende setzt sich die Erkenntnis durch: der Draht ist zu kurz für die langen Bänder.

Klar, wer auf 160 und 80 DXen will, muss ins weite Land ziehen, wo Gittertürme noch keine Kopfschmerzen auslösen. 

Für den weniger ambitionierten OM, der noch nicht im Lotto gewonnen hat, trotzdem aber auf 160m funken möchte, habe ich eine Lösung:
Die braucht zwar auch mehr Draht, aber mit einem Trick passt dieser trotzdem in den Garten. 
Hier ist sie, die NVIS-Antenne für die Bänder 160-40m für die Vorstadtgärten:



Es handelt sich dabei um eine geneigte, umgekehrte und zurückgefaltete L-Antenne. Der Abstand zwischen den beiden Stützpunkten (Masten) beträgt 20m, die maximale Höhe 8m. Gespeist wird sie mit einem automatischen Antennentuner. Vorzugsweise dem Stockcorner JC-4, der über 80uH Induktivität verfügt. Wichtig ist wie immer bei einbeinigen Antennen eine gute Erde. Zum Beispiel fächerartig vergrabene oder ausgelegte Radiale unter der Antenne.
Die durch den Tuner anzupassenden Impedanzen führen zu recht großen Spannungsüberhöhungen: c.a. 2kV bei 100W im 160m Band. Entgegen den Spezifikationen verträgt also der JC-4 in diesem Fall keine 1000W.
Wer seine Spannungsüberhöhung mal "bewundern" möchte, nachdem er die Impedanz des Drahtes seiner Wahl mittels Antennensimulation eruiert hat, guckt hier.

Hier noch die Abmessungen meiner "Wunderantenne": L1=20.4m, L2=19m

Doch was leistet die Antenne? 
Sie strahlt bis ins 40m Band steil nach oben (NVIS) und ist deshalb für den Verkehr auf mittlere Distanzen geeignet (bis ca. 500km). Gegenüber einem einfachen Draht (nur L1, ohne L2) bringt sie im 160m Band etwa 6dB mehr. Einerseits durch den erhöhten Strahlungswiderstand (5.1+j80 Ohm anstatt 3.1-j280 Ohm bei 1.9 MHz). Andererseits durch eine verbesserte Steilstrahlung (+3dB mehr in der Vertikalen).

Neu ist eine elektrische "Verlängerung" der Antenne durch ein Zurückfalten nicht. Taucht man in den Tiefen des Webs findet man allerhand "Foldback-Lösungen". Oft fährt man damit besser (mit weniger Verlusten) als mit Verlängerungsspulen. 

Frohe Ostern




  





Donnerstag, 13. April 2017

Was für ein Deal!

Kürzlich auf Ricardo gesehen (Screenshot):


Dann kurz bei Reichelt reingeschaut (Screenshot):


Reichelt liefert übrigens für 7.80 CHF Versandkosten in die Schweiz und verzollt selbst. Das heisst, die deutsche MwSt ist schon abgezogen und unsere von 8% drauf geschlagen. Es fallen daher keine weiteren Kosten an.

Beim Ricardo-Verkäufer aber schon: Der will noch 3.4% plus 55 Rappen bei Bezahlung über PayPal - bei Reichelt ist das gratis.

Diese Wette auf die Dummheit der Funker ist nur ein Beispiel unter vielen, wie dreist gewisse Dealer Funkamateure abzuzocken versuchen.

Dienstag, 11. April 2017

Der ICOM IC-7200 wird wieder produziert!



Der IC-7200 ist meines Erachtens der am meisten unterschätzte Transceiver auf dem Markt.
Das Gerät ist robust und spritzwasserfest. Man kann ihn mit zusätzlichen Frontgriffen bestücken und dank zwei "Bumpern" rückseitig auf den Boden stellen. Zwar ist sein Gehäuse aus Kunststoff, doch darunter kommt ein massives Aluchassis mit abgeschirmten und mit Gummidichtungen versehenen Abteilen zum Vorschein. Ideal für den rauen Portabel-Einsatz.
Er hat alles, was der OM braucht für CW/SSB und Datenbetrieb von 1.8 bis 52 MHz. Dank SDR braucht man keine zusätzlichen Quarzfilter zu kaufen. 3 Filterbandbreiten lassen sich für jede Betriebsart frei wählen, wie beim IC-7300. Zusätzlich kann die Bandbreite über das Icom-typische Twin Passband-Tuning stufenlos verändert werden. NB und NR sind auch sehr gut und die Ergonomie ist typisch Icom. Das bedeutet eine (fast) intuitive Bedienung und kein Hirnkrampf wie beim FT-991 - oder noch schlimmer beim FT-891. Zu letzterem lese man den Testbericht im Funkamateur: eine einzige Bedienungs-Katastrophe!

Der IC-7200 verfügt über ein automatisches und ein manuelles Notchfilter.
Ein TCXO ist bereits eingebaut und dank dem Sprach-Kompressor hat der 100W-Sender viel Talkpower und ist ein richtiger DX-Bohrer. Zumindest, nachdem man die "Filzbremse" aus dem mitgelieferten Mikrofon entfernt hat.
Digitalbetrieb ist über den USB-Anschluss problemlos und einfacher als bei manch neuerem Transceiver. Nur Updaten lässt sich das Gerät nicht via USB.
Als Besonderheit verfügt er standardmäßig über einen Voice-Synthesizer, der auf Knopfdruck Frequenz und Rapport in Englisch oder Japanisch ansagt.

Was er nicht hat, ist die Betriebsart FM. Das hat ihn wohl bei Eham die Höchstnote gekostet. Doch mit 4.8/5.0 rangiert er dort unter den Spitzentransceivern.

Mit der Einführung des IC-7300 hatte Icom die Fabrikation dieses Gerätes eingestellt. Nun wurde sie wieder aufgenommen. Für rund 1000 Dollar erhält man sehr viel Transceiver und das m.E. beste Gerät in dieser Preisklasse.

Mein IC-7200 (einer der ersten) ist kreuz und quer durch Europa gereist und hat mich dabei nie enttäuscht. Es ist eines der wenigen Geräte, dem ich ebenfalls treu geblieben bin ;-)





























Bild oben: Spezialausführung für Army-Fans
Bild unten: Mein IC-7200 in einem Cadillac Deville.

Sonntag, 9. April 2017

Konkurrenz für den KX3 aus China?

Was bisher an QRP Geräten aus China kam, war zwar interessant, aber kaum eine echte Konkurrenz für die Portabel-Transceiver von Elecraft.
Doch das könnte sich in Zukunft ändern.


Nämlich dann, wenn ein SDR mit integrierter Spektrum- und Wasserfallanzeige daher kommt.
Die Firma RISEN hat jetzt ein solches Gerät angekündigt.
Es soll 215x74x62mm groß sein und 623 Gramm auf die Waage bringen.
Zum Vergleich: ein KX3 misst 188x89x41mm und wiegt 680g.
Der Risen soll in SSB/CW/FM und Free-DV  auf allen KW Bändern von 160 bis 10m QRV sein. AM soll er zwar empfangen, aber nicht senden können. Er soll zwischen 5 und 15W an die Antenne bringen und mit Spannungen von 9 bis 15 Volt laufen.
Das Mikrofon soll Standard-Zubehör sein.

Doch der Risen ist bei genauem Hinsehen kein Unbekannter und so neu auch nicht. Er war bisher als Bausatz unter dem Namen mcHF bekannt und wurde von versierten OM begeistert nachgebaut und mit einem Gehäuse versehen. Kein einfaches Unterfangen, wie das verlinkte Forum zeigt.


Neu ist also nur, dass das Teil nicht mehr nur als Bausatz, sondern als fertiges Gerät angeboten werden soll! Ob der Entwickler dieses Transceivers, Chris, M0NKA damit einverstanden ist, weiß ich nicht. Die Bausätze wurden bisher von ihm vertrieben. 


Chris ist ein begnadeter Entwickler, aber ist er auch ein Businessman? Ob er nun das Gerät in Lizenz bei RISEN bauen lässt, oder ob es ihm schlicht und einfach geklaut wurde, wird sich zeigen. Eine spannende Geschichte!