Freitag, 19. Januar 2018

Der 36x unter der Lupe

Nun habe ich mich hinter das CAD Programm gesetzt und das Schema des "Versechsunddreissigfachers" gezeichnet. Doch meine Geduld und Eignung als Zeichner haben Grenzen und ich bitte deshalb, die überflüssigen Punkte und andere Unebenheiten zu übersehen:

Das Teil zieht übrigens 100mA bei 13.5V und liefert bei 360 MHz etwa +15dBm. Also mehr als genug, um damit einen Transverter zu versorgen.

Die spektrale Reinheit mit allen Nebenwellen bei -40dB oder darunter scheint mir für meine Zwecke gut genug. Wichtiger ist das Phasenrauschen. Das ist sowohl bei meinem Rubidium-Normal wie auch beim Doppelofen OCXO von Oscilloquartz recht tief. Und so wie es scheint, wird dieses durch den 36x nicht wesentlich verschlechtert.

Hier das 10 MHz Signal des OCXO:


Wer misst misst Mist, die Spikes im Bild habe ich wahrscheinlich irgendwie eingeschleppt. Doch sehen wir uns mal das 360 MHz-Signal am Ausgang des 36x an:


Da hat es ja noch mehr Spitzen. Zu Beginn hatte ich einen ganzen Lattenzaun davon, bis ich gemerkt habe, dass diese von meinem Netzgerät stammen. Wie auch immer: wir sehen, dass der 36x das Signal nicht wesentlich verschlechtert. Ob ich das so mit einem PLL hingebracht hätte, ist ein großes Fragezeichen.
Doch schauen wir uns zur Sicherheit die beiden Signale noch aus der Nähe an: bei 2 kHz Bandbreite:


Zum Schluss noch ein Wort zu den OCXO.
Die Dinger sind teuer, wenn man sie neu kaufen will. Typen, die vergleichbar mit dem 8663 von Oscilloquartz sind, der nur mehr gebraucht erhältlich ist, können gut gegen tausend Franken kosten. Für ein neues Rubidium-Normal muss man einen ganzen Bund Tausendernoten auf den Tisch legen.
Und da es Tausender nur noch in der Schweiz gibt und kaum ein OM davon übrig hat, sucht man seine Referenzfrequenz am besten auf Ebay.
Alternativ kommt aber auch ein GPS gesteuertes Frequenznormal in Frage.

Nun freue ich mich schon auf den nächsten Schritt: auf den 70cm Transverter für den IC-7300. Damit kann ich dann auch den 23cm und 3cm Transverter ansteuern.
Doch wieso dieser Aufwand?
Gerade auf den Mikrowellenbändern ist eine Spektrum- und Wasserfallanzeige Gold wert ;-)

Ja, ich weiß, das ist alles so unsagbar trocken technisch. Dafür gibt's zum Wochenende noch eine Portion Schadenfreude:






OCXO multipliziert


Eine stabile Referenzfrequenz ist eine tolle Sache, und wer einen Transceiver oder Traansverter für VHF/UHF und Mikrowellen betreibt, benötigt eine - je höher die QRG, desto dringender.

Die meisten hochwertigen Referenz-Oszillatoren liefern 10 MHz, krumme Frequenzen sind schwer aufzutreiben. Darum liefern die meisten Hersteller für ihre Transceiver Referenz-Oszillatoren, die man für teures Geld dazu kaufen kann. Nur hochwertige Geräte haben so ein Teil bereits eingebaut. Entweder handelt es sich dabei um einen TCXO oder OCXO.

Wo liegt der Unterschied?

Ein TCXO (Temperature Controlled Xtal Oscillator) misst die Temperatur und stimmt den Oszillator entsprechend nach. Heutzutage wird aus einem internen Speicher die Temeperaturkurve des Quarzes ausgelesen und der Oszillator mittels einer Kapazitätsdiode nachgestimmt. In der Regel ein günstiges und kleines Teil mit geringem Stromverbrauch.

Ein OCXO (Oven Controlled Xtal Oscillator) heizt den Oszillator auf eine bestimmte Temperatur und hält sie dort. Ein großer, teurer Energiefresser, aber dafür stabiler als ein TCXO. Benötigt im Gegensatz zu diesem jedoch eine Aufheizzeit.



Wie hier berichtet, setzte ICOM vor allem auf OCXO, heizte aber nur den Quarz und nicht die gesamte Oszillatorschaltung. Das Resultat ist deshalb bescheiden.

Zurzeit bin ich daran, einen 70cm Transveter für meinen IC-7300 zu bauen. Natürlich mit höchstmöglicher Frequenzstabilität. Sonst wird das nix mit den modernen digitalen Übertragungsarten wie WSPR oder FT8.

Meistens wird für einen 70cm Transverter eine ZF von 28 MHz benutzt. Für den Betrieb auf 432 MHz bedeutet das eine Lokaloszillator-Frequenz von 404 MHz.

Genau da lag der Hase im Pfeffer: wie kontrolliere ich mit meinem 10 MHz Referenz-Oszi die 404 MHz.
Mit einem PLL werdet ihr nun sofort einwerfen. Doch OM Anton hat noch nie einen PLL gebaut. Erfahrungsgemäß würde das eine grössere Übung zusammen mit Mister Murphy und anderen Überraschungen bedeuten.

Glücklicherweise brauche ich eine gewisse Zeit um einzuschlafen und dabei irren immer eine Menge Gedanken durch meinen Hirnkasten.
"Man könnte doch ein Mehrfaches von 10 MHz benutzen", war so einer.
Nun, 404 MHz ist kein Mehrfaches von 10 MHz wie auch dem DAG (Dümmsten anzunehmenden Genie) klar ist. Und nein, das ist jetzt keine Anspielung auf die Politik.
"Mein IC-7300 ist für alle Frequenzen bis 74.8 MHz offen, ich kann auch eine andere ZF als 28 MHz benutzen", war der nächste Gedanke.

Und so begann die Rechnerei. Kurz vor dem Einschlafen hatte ich das passende Resultat: 72 MHz.
Das bedingt 360 MHz für den Lokaloszillator. Und so einen Versechsunddreissigfacher traute ich mir zu. Zuerst die 10 MHz auf 30 MHz verdreifachen, dann auf 90 verdreifachen und dann noch zwei Verdoppler-Stufen et voilà. Pippifax in gewohnter Steampunk-Technik.

Oben im Bild ist das Resultat zu sehen. Mit Material aus der Tiefe der Bastelkiste. Und unten im Bild ist zu sehen, was der Spekrumanalyzer dazu meint.




Fortsetzung folgt (mit Schema).....






Freitag, 12. Januar 2018

Die modernen Wekzeuge des UKW-Amateurs



Ein Teil meiner ehemaligen UKW-Kollegen hat sich irgendwo einen Draht ans Fensterbrett genagelt, dümpelt mit einem Blindenstock rum, oder hat sich total abgemeldet. Einer ist Pilotensimulant am Computer geworden, einer vor dem Fernseher eingeschlafen, einer zum Esoteriker mutiert und ein anderer ist mit einer Antennenphobikerin liiert, nur um ein paar Beispiele zu nennen "So Sad", würde der Präsident mit der besonderen Frisur dazu sagen, den wir bald in Davos begrüssen müssen dürfen.

Dabei macht das UKW-Hobby heutzutage mit dem Internet noch viel mehr Spaß.

Doch was sind die modernen Tools des heutigen UKW-Amateurs, nebst seiner Station und der Antenne?

Da ist zum Beispiel die Beobachtung der Funkbaken. Man findet sie hier. Der OM muss sich zwar registrieren, aber der Service ist kostenlos. Dafür erhält man einen aktuellen Überblick über die Ausbreitungsbedingungen und den aktuellen Betriebszustand der Baken von 6m bis in die höchsten Mikrowellen. Auch wenn das 2m Band das höchste der Gefühle ist, lohnt es sich, diese Seite zu beobachten.

Wer einen Funkpartner für eine Verbindung sucht, sei es auf 2m, 23 oder auf 3cm, ist nicht mehr auf Conteste oder Mister Zufall angewiesen. Der Chat von ON4KST ist täglich voll mit potentiellen Partnern wie bei einer Heiratsvermittlung. Auch hier muss man sich registrieren lassen und der Dienst ist gratis. Die Chats von ON4KST sind die idealen Treffpunkte. Wer ON4KST nicht kennt, verpasst die besten Gelegenheiten.

Wer auf 3cm auf Regenscatter aus ist, sollte unbedingt auf der Seite von TK5EP reinschauen. Dort verpasst der OM keinen einzigen Tropfen. Im Sommer, wenn die Hitze die Kumuluswolken in grosse Höhen steigen lässt, ist für diese beliebte Betriebsart Hochsaison. 10 GHz ist dazu das ideale Band. 5 GHz geht zwar auch noch, doch wesentlich schlechter.

Im 2m Band kommt Regenscatter nicht mehr vor. Dafür gibt es jede Menge anderer interessanter Betriebsarten. Zum Beispiel Verbindungen über Reflexionen an Flugzeugen. Von diesen hat es ja immer mehr in der Luft. Entsprechend gross sind die Chancen, derartige Verbindungen zu tätigen. Frank, DL2ALF, hat ein wunderbares Tool kreiert um diese Verbindungsart vorherzusagen. Gerade letztes Wochenende habe ich wieder einmal staunen dürfen. Ich hatte das Programm gestartet und meine kleine DK7ZB Yagi gegen Belgien gerichtet - auf die Bake ON0VHF. Normalerweise kann ich diese Bake, die von mir 460km entfernt ist, nicht hören. Doch wenn sich ein Flugzeug am richtigen Ort befindet, taucht sie plötzlich aus dem Nichts auf - es ist wie Magie und es haut mich jedes Mal fast aus den Socken, wenn dieses Signal genau dann auftaucht, wenn es Franks Programm vorhersagt!
Übrigens funktioniert Flugzeugscatter auch im 10GHz Band, wie ich beim Empfang der Bake HB9EI im Tessin feststellen kann.

Natürlich spielt auf UKW das Wetter eine entscheidende Rolle. Während 10GHz eher von Regenzellen profitiert, sind es anderswo die stabilen Hochdrucklagen mit ihren Inversionsschichten, die die Ausbreitungsbedingungen anheben. Trotz dem Jura, mit dem 1605m hohen Chasseral vor der Nase, gelingt es manchmal auch von hier aus, eine Verbindung mit England zu tätigen. Sogar auf 23cm. Um keine günstige Wetterlage zu verpassen, empfiehlt es sich, hier oder hier regelmäßig vorbei zu schauen.

Nicht zuletzt gibt es viele, für den UKW-Amateur interessante SDR, mit Empfängern von 6m bis 1.2cm. Ein ideales Tool um seine Anlage oder die Ausbreitung zu testen.

Und natürlich haben auch die modernen, digitalen Betriebsarten auf UKW Einzug gehalten. Nicht nur bei den Big Shots, die ihre Signale via Mond verschicken (EME), sondern auch bei den Small Pistols. Der Spaß mit WSPR, FT8 und Konsorten im 2m Band hat gerade erst begonnen.

Natürlich haben auch die Profis ausgefeilte Tools für die Vorhersage der Ausbreitung im UKW-Gebiet. Oben im Bild ist eine solche Simulation zu sehen. An all diesen Orten, sollte mein 10 GHz Signal zu hören sein. Theoretisch. Die Praxis wird wohl eine etwas abweichende Meinung dazu haben.
Im Alpenraum führt neben der Reflexion, die Diffraktion an scharfen Berggraten zu unverhofften Überreichweiten. Das hat schon Roger Schawinski mit Radio 24 auf dem Pizzo Groppera eindrücklich bewiesen und damit die Regierung in Rage versetzt. Erstaunlich wie rasch solches Wissen infolge der DMR- und Blindenstock-Sedierung bei den Funkamateuren vergessen geht.

Aber lasst uns nicht zu streng sein. Wir könnten ja bei Gelegenheit in den Alpen bei einem Raclette darüber philosophieren:







PS. Man beachte die Flasche mit dem Daumen des "Second Operators" als "Drossel".


Donnerstag, 11. Januar 2018

Der Tod des UKW-Amateurs und die Überquerung der Alpen



UKW-Amateure waren früher eine aparte Spezies. Belächelt durch die "Vollwertigen" - die Kurzwellenamateure - beschränkt auf Wellen, die scheinbar kaum um die nächste Hausecke reichten. Wer die Morseprüfung nicht schaffte, war ein armes Schwein, und das erhielt in der Schweiz ein HB9M Rufzeichen. Später, als die M's ausgegangen waren, kamen dann die P's dran, während die "Vollamateure" zuerst die A's und später die Buchstabengruppen B und C erhielten.

Auch ich gehörte anfänglich zu den Minderbemittelten. Beim ersten Mal, mit 18, hatte ich es "vermorst" und griff dann nach dem Notnagel UKW-Lizenz. Mein Rufzeichen war damals HB9MBS.
Von den morsenden Amateuren nicht für voll genommen, ja manchmal gemieden, fristete ich mein erstes Funkerdasein im 2m Band. In AM und mit einem einzigen Sendequarz. Mehr gab das Taschengeld nicht her. Trotzdem war es eine spannende und lehrreiche Zeit.

Erst beim zweiten Mal klappte es mit dem Morsen und ich stieg auf in die Liga der Erlauchten, die rund um die Welt funken durften.
Trotzdem haben mich die ultrakurzen Wellen nie losgelassen und ich habe sie auch nie ernsthaft im Stich gelassen.

Die Siebziger und Achtziger waren die grosse Zeit der UKW-Amateure. Viele von ihnen waren technisch sehr versiert und gehörten zu der technologischen Avantgarde des Amateurfunks. Nicht die Kurzwellenamateure der Honor Roll waren die treibende Kraft der technischen Entwicklung des Amateurfunks, es waren die oft geschmähten UKW-Amateure.
Die Bänder 2m und 70cm sprühten damals vor Leben. Man funkte in SSB mit horizontal polarisierten Richtantennen über Distanzen, die heute jeden Relaisfunker erblassen lassen würden. Verbindungen von Süddeutschland quer über die Alpen nach Italien waren an der Tagesordnung. es brauchte dazu nicht einmal Tropo-Überreichweiten, die Mehrfach-Diffraktion an den Alpenkämmen reichte vollauf.
Gebaut, experimentiert und publiziert wurde an vorderster Wellenfront. Die Bücher von DJ9HO gehörten damals zu meiner Standard-Lektüre. 

Doch dann war plötzlich Schluss. Innert kurzer Zeit verwaisten die ultrakurzen Bänder, die SSB-Signale wurden immer seltener. Was war geschehen?

Es war die Abschaffung der Morseprüfung, die zum "Tod des UKW-Amateurs" geführt hat.

Plötzlich durften auch die OM, die die Prüfung ohne Morsen bestanden hatten, auf Kurzwelle funken. Dabei spreche ich nicht von den heutigen HB3 oder DO Einsteigerlizenzen. Nein, die HB9M etc.wurden über Nacht zu vollwertigen Kurzwellenamateuren mit 1 Kilowatt auf allen Bändern.

Aus dem scheinbaren Gefängnis der ultrakurzen Wellen entlassen, wollten die meisten von ihnen den Duft der weiten Welt schnuppern und verschrieben sich dem großen DX. UKW verkümmerte. Die UKW-Geräte wurden in den Keller oder auf den Dachboden verbannt.

Inzwischen hatte nämlich noch eine andere Entwicklung eingesetzt:
FM begann SSB zu ersetzen und der Hardcore-Teil unter den UKW-Amateuren begann, Relaisstationen zu bauen. Sie waren ja die Techniker unter den Funkamateuren und hatten das Know-how dazu. Zugegeben, es war ja auch eine spannende Aufgabe - eine grosse Herausforderung.

Hinfort genügte ein weißer Stängel (Blindenstock) auf dem Dach, um die Bedürfnisse des Ortsfunks abzudecken. Mehr war auch nicht nötig - die Kurzwelle erledigte den Rest.

Inzwischen sind viele Jahre ins Land gegangen und es gibt mehr Relaisstationen als es je gegeben hat. Die Relais sind vernetzt, mit dem Internet verbunden und funken jetzt nicht nur in FM, sondern in D-Star, C4FM und DMR. Doch die meisten Stationen rauschen vor sich hin. Die OM haben sich dem Computer zugewandt und die Hardcore-Amateure der nächsten Herausforderung: dem Hamnet.

Doch die Renaissance ist im Gange. Altes wird wieder neu entdeckt, neue Hard- und Software ermöglichen Verbindungen und Experimente im UKW und Mikrowellengebiet, von denen der OM bisher nur träumen konnte.

Drei Faktoren werden m.E. diese Renaissance in den nächsten Jahren verstärken:

1. Die zunehmende Verseuchung der Kurzwellen durch PLC etc.
2. Die "Verdichtung" des Funkamateurs, die keine großen Antennen mehr zulässt.
3. Das Sonnenflecken-Minimum, das die OM in den nächsten Jahren auf die längeren KW-Bänder beschränken wird.

Fortsetzung folgt....

Bild von HB9DTZ: Frequenzsprung eines 10 MHz OCXO beim Lagewechsel.

PS. Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich die leisen Signale der Bake auf dem Monte Tamaro im Tessin, 158 km weit weg, auf der anderen Seite der Alpen. Nicht auf Kurzwelle - auf 10 GHz.



Mittwoch, 10. Januar 2018

Au weia



Gerade habe ich die Schweizer Kolumne des Funkamateurs gelesen, in der Markus HB9AZT ankündigt, dass er sich von seiner Aufgabe als Schweizer Korrespondent dieser Zeitschrift zurückziehen wird. Er kündigt darin auch schon seinen Nachfolger an: Hans-Jörg Spring HB9ANF soll in Zukunft im Funkamateur über Schweizer Belange berichten.

Dieser Name hat in meinem Hirnkasten ein Relais aufziehen lassen. Hans-Jörg Spring? Dieser Name kam mir irgendwie bekannt vor. War da nicht mal was?

Vor etwas mehr als zwei Jahren habe ich mich hier bereits mit Hans-Jörg HB9ANF und seinen Aktivitäten und seinen Gegenspielern befasst. Nämlich hier.

Hans-Jörg gehört - milde gesagt - zu den Kritikern der USKA und ist meines Wissens aus dem Verein ausgetreten.
Taucht man an dieser dunklen Stelle im Netz und leuchtet sie mit einem Weblicht aus, so stößt man auf lustige Müsterli. Zum Beispiel dieses Statement der USKA in Sachen Hans-Jörg.

Eindrucksvoll ist die berufliche Laufbahn von Hans-Jörg, wie sie Markus HB9AZT im neusten Funkamateur beschreibt. Allerdings nicht ganz vollständig. Aber wir wollen nicht in uralten Geschichten wühlen.

Auch Markus war in seiner Kolumne ein Kritiker mit spitzer Feder. Hans-Jörg dürfte da in gut markierte Fußstapfen treten und u.a. auch der USKA sehr genau auf die Finger schauen. Da könnte ja vielleicht noch eine Rechnung offen sein. Ich bin gespannt und kaufe mir schon mal eine grosse Tüte Popcorn ;-)

Bild: Kurzschluss

PS. Wer auf dieses seltsame Blog stößt, mag sich fragen, was die Abkürzung QJ bedeutet. Es handelt sich vermutlich nicht um einen verkürzten Q-Code. Ich vermute, es soll Qualitäts-Journalist heißen. Vielleicht wäre der unbekannte Schreiber auch ein Kandidat für den neuen Kolumneur gewesen?

PPS. Gerade habe ich in einer wWüsten Geschichte über Karawanen gelesen, dass der spezielle Q-Code QJ nicht Qualitäts-Journalist sondern Quasi-Journalist heißen soll. Vermutlich bin ich auch einer, obwohl ich nicht versuche, den Anschein zu erwecken ;-)




Samstag, 6. Januar 2018

Der Quarz - das unbekannte Wesen



Kaum ein elektronisches Gerät kommt heutzutage ohne Quarz aus. Auch in unseren Funkgeräten sitzt mindestens einer irgendwo in den Tiefen der Elektronik und gibt den Takt an. Der Quarz ist das Herz eines Transceivers. Er ist ein scheinbar simples elektromechanisches Bauelement aus einem Quarzkristall geschnitten.
Hier einen Vortrag über Quarze zu halten, wäre Wasser ins Meer getragen. Auf Wikipedia gibt es einen ausgezeichneten Beitrag darüber.
Wem das nicht genügt, kann sich kostenfrei das grosse Quarz-Kochbuch herunterladen, das auch die letzte Frage noch beantwortet.

Die Stabilität von Quarzen ist von der Umwelt abhängig, insbesondere von der Temperatur. Darum werden sie oft in einem OCXO (Oven controlled Xtal Oscillator) auf einer konstanten Temperatur gehalten. Xtal ist die amerikanische Abkürzung für Crystal (wie Xmas für Christmas).

Dass Quarze auch von der Erdbeschleunigung, also der Schwerkraft abhängig sind, war mir bisher nicht bekannt. Christoph HB9DTZ ist bei einem Versuch mit seinem OCXO kürzlich darauf gestoßen.
Wird die Lage eines Quarzoszillators im Betrieb verändert - zum Beispiel von stehend auf liegend - verändert sich dessen Frequenz.
Ich habe mit diesem OCXO von Oscilloquartz einen kurzen Test unternommen, nach einer Stunde Aufwärmzeit und einem Abgleich mit einem Rubidium-Normal:


Die Abweichung von der einmal eingestellten Frequenz blieb in meinem Fall jedoch klein: maximal 10mHz bei 10MHz. Das spielt bei den meisten Anwendungen keine Rolle. Auch wenn der OCXO als Referenzoszillator für einen 10 GHz Transverter benutzt wird, muss man mit höchstens 10Hz Abweichung rechnen. Doch wer wirbelt im praktischen Funkbetrieb schon mit seinem OCXO rum?
Diese Eigenart ist daher zwar interessant aber in der Regel irrelevant.

Relevanter ist beim 10 GHz Betrieb da schon die Frequenzstabilität des Steuergeräts - ein 2m oder 70cm Transceiver. Auch der hat in vielen Fällen einen OCXO oder einen TCXO und 144 oder 432 MHz sind ja nichts im Vergleich zu 10368 MHz. Trotzdem sind die Dinger oft nicht sehr stabil.
Ich benutze zurzeit einen IC-475H als Steuergerät, notabene mit eingebautem OCXO.



Doch die ICOM-Ingenieure haben nur einen Pseudo-OCXO als (teures) Zusatzteil gebaut. Ein so genannter No-Brainer. Vielleicht hatten sie schon den gesamten Hirnschmalz bei der Entwicklung des Transceivers verbraten oder den Stift rangelassen.
Denn im Blechgehäuse sitzt nur der Quarz und das Heizelement. Die weiteren frequenzbestimmenden Elemente der Oszillatorschaltung befinden sich außerhalb. Das kritische Element dabei ist die Spule, mit der die Quarzfrequenz gezogen, bzw. genau abgestimmt wird. Um ganz genau zu sein: es ist ihr Ferritkern, der sehr empfindlich auf Temperaturschwankungen reagiert. Das wäre alles nichts so schlimm, wenn man nicht den halben Transceiver auseinandernehmen müsste, um die Frequenz abzugleichen.
Aber das geht wohl unter Jammern auf hohem (frequenz-) Niveau ;-)

Nach meinen Erfahrungen sind Yaesu-Geräte, die alle mit einem TCXO als Option bestückt werden können, stabiler (z.B. FT-817)

Mit dem OCXO im mittleren Bild habe ich übrigens sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Frequenz kann mit einer externen Referenzspannung genau abgeglichen werden. Es empfielt sich, dazu nicht nur eine gut stabilisierte Quelle, sondern auch ein Präzisions-Mehrgang-Potmeter zu benutzen (ohne Schlupf, bzw. Hysterese).







Dienstag, 2. Januar 2018

Eine 10 GHz Antenne auf dem Prüfstand - Teil 3

Wenn ihr diese Zeilen lesen könnt, seid ihr im Jahr 2018 angekommen und nicht im Übergang, bzw. einer Raum-Zeit-Spalte oder in einem Hilbertraum stecken geblieben. Ich wünsche euch ein friedliches und glückliches Jahr bei bester Gesundheit und weiterhin viel Spaß am besten Hobby der Welt. Hier noch ein Lied aus der Silvesternacht, das noch heute in meinen Ohren nachhallt:


Aber jetzt zum eigentlichen Thema dieses Blogs, das mich auch im neuen Jahr beschäftigen wird: den 3cm Wellen. Die Resultate des Woks liegen nun auf dem Tisch und wie bereits von Willi HB9PKZ vorausberechnet, liegt der Gewinn des Spiegels (die Profis sprechen von Direktivität) bei 29 und nicht bei 30 dB.
Wenn wir Funkamateure den Gewinn einer Mikrowellen-Antenne messen, so bleibt uns in der Regel nichts anderes als eine Messung im freien Feld: in einer Wiese ohne störende Reflexionen (fettes Gras dämpft gut). Als Vergleichs- und Messantenne dient dann ein so genanntes Standardhorn. Denn der Gewinn von Hornantennen lässt sich aus den mechanischen Dimensionen genau berechnen. Leider sind solche Standardhörner aus kommerzieller Produktion unverschämt teuer.
In einer reflexionsarmen Messkammer jedoch, kann der Gewinn - pardon, die Direktivität - aus dem Strahlendiagramm errechnet werden.
Wer sich in diese Materie vertiefen möchte, dem empfehle ich die ausgezeichnete Webseite von Willi.
Er ist hier auf dem nächsten Bild zu sehen, wo er gerade daran ist, den Wok vom Deckel zu befreien:


Willi wird sicher nächstens darüber auf seinem Blog berichten.

Wer sich den Mikrowellen widmet, der begegnet immer wieder dem illustren Herrn Murphy.
Gerade habe ich den neusten Bericht von Christoph HB9DTZ gelesen, der darüber berichtet, dass seine Versuche in den letzten Tagen am Steuergerät - dem 2m Transceiver - gescheitert sind. Die 2m Endstufe seines KX3 bleibt offenbar kalt. Der darin eingesetzte RD15HVF1 macht keinen Wank. Ob Elecraft auch eine Serie Fake Transistoren erwischt hat?
Doch Murphy hat auch bei seinem IC-7000 zugeschlagen und so gilt es, zunächst fundamentale Probleme zu lösen, bevor wieder 3cm Wellen in den Äther gelangen können.

Dafür hat Hansjoerg einen Volltreffer gelandet. Er hat nämlich in den letzten Tagen eine Testbake laufen lassen. Und zwar vom Stockhorn im Berner Oberland. Dazu musste er nicht mal auf den Berg steigen, sondern konnte gemütlich von zuhause aus senden. Er hat nämlich das Stockhorn als passive Bake benutzt, indem er es mit seinem 60cm Spiegel angeleuchtet hat. Bei mir konnte ich ihn mit S9 empfangen und auch auf dem SDR der Hochwacht war sein Signal sehr gut zu hören.
Die Idee, hohe Berge als passive Baken zu benutzen ist nicht neu. So hat zum Beispiel David F1URI erfolgreich eine Bake betrieben, indem er mit seinem 120cm Spiegel und 0.7W den Mont Blanc anvisiert hat. Eine Idee, die es Wert ist, weiterzuverfolgen. An hohen Bergen mit markanten Felswänden mangelt es uns in den Alpen wahrlich nicht.

Mein Horn mit den dicken Backen hat mich etwas enttäuscht. So habe ich denn auf der Südseite - Richtung Alpen und das erwähnte Stockhorn - meinen alten Technisat 33cm Spiegel installiert.
Kopfüber diesmal. Nicht um die Nachbarn zu verwirren, die vielleicht meinen, da habe jemand seine Satellitenschüssel verkehrt herum montiert, sondern damit es mir nicht ins Feedhorn regnet. Aber eigentlich hatte ich in der Eile des Gefechts keine andere Wahl. Die Befestigung vor dem Dachfenster ist auch so schon abenteuerlich genug.


Zum Schluss nochmals die Antenne von Fio HB9DWK, der auf der anderen Seite der Schweiz darauf wartet, dass wir mit ihm ein QSO machen werden. Ein stolzes Ziel für 2018. Und eigentlich das einzige, das ich mir für das neue Jahr vorgenommen habe.
Denn wer sich in meinem Alter als Neujahrsvorsatz noch vornimmt, sich zu bessern, den sollte man unter Beobachtung stellen. Daher habe ich darauf verzichtet.



Fortsetzung folgt....